Pornhub ändert seine Moderationspolitik

Pornhub im Krieg gegen illegale Inhalte

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Die Pornoplattform Pornhub hat soeben drastische Änderungen an ihrer Moderationspolitik angekündigt. Ihr Ziel: keine illegalen Inhalte mehr zu hosten.

Pornhub ändert seine Moderationspolitik

Geplant ist eine Reihe von Maßnahmen, um gegen gestohlene Inhalte vorzugehen, aber auch gegen Kinderpornografie, Videos mit nicht einvernehmlichem Sex und Revenge Porn.

Natürlich untersagten die Regeln der Website all das bereits. Aber bei einer Plattform, auf der jedes Jahr mehr als 6 Millionen neue Videos erscheinen, kann es zwischen Theorie und Umsetzung eine erhebliche Diskrepanz geben.

Mehr Moderation bei Pornhub: warum?

Inhaltsdiebstahl und Sexarbeiter*innen

Im Dezember hatte Pornhub in einem Tweet angekündigt, Verpflichtungen eingehen zu wollen, um gegen illegale Inhalte vorzugehen.

Pornhub – Engagement für Vertrauen und Sicherheit

Tatsächlich warfen zahlreiche Pornodarstellerinnen und Pornodarsteller der Plattform, die dem Pornogiganten Mindgeek gehört, vor, auf ihre Kosten Geld zu verdienen, indem sie bei Videos wegschauten, die von Personen hochgeladen wurden, denen die Rechte daran nicht gehörten. Betroffen waren die großen Studios (die wir auch nicht allzu sehr bemitleiden wollen, auch wenn man anmerken muss, dass Mindgeek noch größer ist als die besagten Studios), aber auch kleine Studios und unabhängige Darsteller*innen sowie Camgirls und Camboys, deren wenig gewissenhafte „Fans“ manchmal ihre Shows ohne ihre Zustimmung aufzeichneten, um sie auf Pornhub zu veröffentlichen.

Abgesehen davon, dass ein multinationaler Konzern an der Arbeit anderer verdient, konnte das für die Betroffenen auch zu Problemen mit der Privatsphäre führen. Es macht einen großen Unterschied, ob man eine einmalige Show vor einem kleinen Publikum gibt oder ob man die Aufzeichnung dieser Show gegen den eigenen Willen online gestellt sieht. Und das, ohne dass man sie löschen lassen kann – oder nur mit einem zeitaufwendigen Verfahren und dem Risiko, dass der Übeltäter sie zwei Tage später von einem neuen Konto aus erneut hochlädt.

Die Pornocommunity begrüßte die Nachricht also mit Begeisterung. Mit seinem Programm „Model Partner“ beherbergt Pornhub die Konten zahlreicher Pornodarsteller*innen, die ihre Einnahmen aus der Werbung in ihren kostenlos zugänglichen Veröffentlichungen und dem Verkauf von Videos beziehen.

Zahlungssysteme und Anti-Porno-Lobbys

Doch wenige Tage später gab es für die Pornhub-Models eine böse Überraschung. Mastercard und Visa, zwei der wichtigsten Zahlungssysteme, beschlossen, ihre Geschäftsbeziehungen zur Plattform abzubrechen – unter dem Vorwand illegaler Inhalte. Mastercard erklärte, die Nutzung seiner Bankkarten auf Pornhub nach der Entdeckung illegaler Inhalte nun vollständig zu verbieten. Visa setzte die Nutzung seiner Karten derweil aus, bis die Ergebnisse der eigenen Untersuchung vorliegen.

Erklärung von Visa zur Aussetzung der Zahlungen auf Pornhub

Für viele Sexarbeiter*innen, die durch die Pandemie ohnehin schon in eine prekäre Lage geraten sind, ist das eine echte Katastrophe. Covid-19 führte zur Absage eines großen Teils der Dreharbeiten, viele Escorts legten ihre Tätigkeit aus Angst vor Ansteckung lieber auf Eis, und zahlreiche Menschen verließen sich auf den Verkauf von Videos, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Es scheint wenig wahrscheinlich, dass Visa und Mastercard sich wirklich um das Recht am eigenen Bild unabhängiger Pornodarstellerinnen sorgen. Der Hauptvorwurf gegen Pornhub lautet, Kinderpornografie zu hosten.

Ausgangspunkt dieser Vorwürfe ist eine Kampagne namens „TraffickingHub“, die in Wirklichkeit von verschiedenen religiösen Lobbys geführt wird, die sich für die Abschaffung von Pornografie einsetzen. Die Kampagne vereint verstörende Berichte über Minderjährige, deren Missbrauch gefilmt und im Internet veröffentlicht wurde, Veröffentlichungen katholischer Zeitungen und Artikel von Anti-Porno-Aktivist*innen für die Meinungsrubrik renommierter Medien. Es handelt sich um eine besonders gut orchestrierte Aktion. Ihre Petition zur Schließung von Pornhub hat tatsächlich mehr als 2 Millionen Unterschriften gesammelt.

Pornhub hat zwar tatsächlich schon aus Nachlässigkeit pornografische Videos mit Minderjährigen online stehen lassen, doch sollte man wissen, dass so etwas auch auf Plattformen vorkommt, die keine Pornoseiten sind. In einer Pressemitteilung weist Pornhub darauf hin, dass „Facebook in den vergangenen drei Jahren 84 Millionen kinder pornografische Videos erfasst hat. Zum Vergleich: Die Internet Watch Foundation hat in den vergangenen drei Jahren nur 118 Fälle dieser Art auf Pornhub festgestellt.“

Es ist auch nicht das erste Mal, dass Zahlungssysteme gegen Pornografie vorgehen. 2019 hatte Paypal bereits seine Geschäftsbeziehungen zu Pornhub, Chaturbate und anderen Plattformen für Erwachsene beendet, und zahlreiche Darsteller*innen im Erwachsenenbereich haben keinen Zugriff mehr auf ihr Konto.

Die neuen Moderationsregeln von Pornhub

Pornhub hat daher eine Reihe neuer Maßnahmen umgesetzt:

Überprüfung von Uploads

Wer kein Partnerstudio der Plattform ist, muss zum Hochladen eines Videos nun sein Konto verifizieren, und zwar über das „Model Program“. Dabei kommt eine digitale Identitätsprüfung zum Einsatz, die auf „biometrischen“ Daten basiert (in diesem Fall auf der Gesichtsform) und Yoti heißt.

Der erste Schritt zur Verifizierung des Kontos ist derselbe wie zuvor: Man schickt der Plattform ein Foto von sich selbst, mit unverhülltem Gesicht und einem handgeschriebenen Schild, auf dem der eigene Benutzername und der Vermerk „Pornhub.com“ stehen.

Doch sobald dieser Schritt erledigt ist, muss man nun auch noch seine Ausweispapiere vorzeigen.

Da ich zu faul war, mich sofort in den Papierkram zu stürzen, um ein Konto zu verifizieren, das ich ohnehin kaum benutze, habe ich das erste Bild hochgeladen, das mir unter die Finger kam. Natürlich hatte ich nicht erwartet, dass es akzeptiert würde, aber ich dachte, so könnte ich sehen, wie es im Formular weitergeht. Denkste: Ich habe Pornhub also aus Versehen ein Foto eines karottenförmigen Sexspielzeugs geschickt. Ich hoffe, sie nehmen mir das nicht allzu übel. Es handelt sich um eine volljährige und einwilligende Karotte, also sollte alles in Ordnung sein.

Wie auch immer, ich konnte es nicht selbst überprüfen, aber das Verfahren zur Verifizierung eines Pornhub-Kontos scheint dem zur Bestätigung eines Chaturbate-Kontos ziemlich ähnlich zu sein.

Verbot von Downloads

Nutzer*innen können die Videos nicht mehr herunterladen – es sei denn, sie haben für den Downloadzugang bezahlt.

Ausgeweitete Moderation

Pornhub hat ein zusätzliches Team von Moderator*innen eingestellt, das „Red Team“. Es soll die Plattform laufend überprüfen und nach illegalen Inhalten sowie Schlüsselwörtern suchen, die zensiert werden sollen.

Die Pornotube hat außerdem beschlossen, zahlreiche automatisierte Tools zur Erkennung illegaler Inhalte einzusetzen, um gegen Kinderpornografie und das erneute Hochladen gesperrter Videos vorzugehen.

Auf jeder Seite ist außerdem ein Formular verfügbar, mit dem man die Entfernung eines unangemessenen Videos beantragen kann.

Pornhub hat auch das Programm „Trusted Flagger“ eingeführt, eine Partnerschaft mit rund vierzig Kinderschutzorganisationen. Diese können sich nun direkt an das Moderationsteam der Plattform wenden, um die sofortige Löschung eines Inhalts zu erreichen. Darüber hinaus arbeitet die Plattform mit dem NCMEC (National Center for Missing & Exploited Children) zusammen und kooperiert mit den Behörden, um jeglichen sexuellen Missbrauch Minderjähriger auf der Plattform zu melden und zu beseitigen.

Etwas seltsamer ist, dass Pornhub gemeinsam mit einer Kinderschutzorganisation auch plant, automatisch abschreckende Nachrichten an alle Nutzer*innen zu senden, die versuchen, nach Videos von sexuellem Missbrauch Minderjähriger zu suchen.

Transparenz

Pornhub verpflichtet sich zu Transparenz hinsichtlich der im Jahr 2020 moderierten Inhalte, zu denen ein Bericht veröffentlicht werden soll.

Pornhub poliert sein Image auf

Werden diese Maßnahmen die Plattform davon überzeugen können, dass Mastercard und Visa ihre Meinung über sie ändern (und damit den Sexarbeiter*innen ermöglichen, weiterhin über Pornhub Einnahmen zu erzielen)? Nur die Zukunft wird es zeigen.

Auf jeden Fall scheint Pornhub entschlossen, sich ein ethischeres Image zuzulegen.

Vor Kurzem hat die Pornotube „Sextainability“ gestartet, eine Initiative, die das Bewusstsein für ökologische Themen schärfen soll.

Sextainability Pornhub

Dafür haben acht Darstellerinnen und ein Darsteller einige ganz besondere Videos gedreht: die „Sexstainable JOI“.

Auf den ersten Blick ähneln sie „Jerk off instructions“, Clips, in denen eine Person einem „erklärt“, wie man masturbiert. In Wirklichkeit geht es dabei aber um Tipps zum Schutz der Natur. Das Ergebnis ist halb sexy, halb komisch und kostenlos zugänglich. Für jede angesehene „Sexstainable JOI“ verpflichtet sich Pornhub, eine Spende an „2030 or Bust“ zu leisten, ein Projekt gegen die Erderwärmung.

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